Hauschke, Christian | 1 Aug 2008 09:59
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Re: About arXiv.org

Moin!

> In dem Zusammenhang gab ich zu bedenken, dass das wohl
> derzeit erfolgreichste Repositorium keine Web2-Anwendung
> ist. 

Nicht?

Zitat von der Arxiv-Seite:
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Dann noch: 
<http://export.arxiv.org/api_help/>

Das ist nur die technische Seite. Dazu dann noch die prinzipielle Offenheit zu allen Seiten; der Ansatz,
möglichst niedrige Nutzungshürden zu schaffen... Man könnte es Web 2.0 nennen. Es ist nur ein
Schlagwort, aber wenn man es benutzen möchte: Hier ist es angebracht.

Siehe auch: "Web 2.0 and repositories" von Andy Powell. Auf der 20. Folie fragt er u.a.: "arXiv - the first
Web 2.0 service?"
<http://www.slideshare.net/eduservfoundation/repositories-and-web-20-have-we-got-our-repository-architecture-right>

> Das steht explizit in dem Kontext, zu schauen, was
> gebraucht wird und nicht was cool ist. Meine beschraenkte
> Erfahrung sagt schlicht: cool wird selten gebraucht und noch
> seltener genutzt. (Immer von ein paar Freaks abgesehen.)

Ein völlig falscher Ansatz. Cool wird gebraucht, und zwar von den Freaks. Die wiederum als Pioniere und
Multiplikatoren in der Lage sind, eher langsam voranschreitende Kollegen mitzureißen. Wenn wir die
(Continue reading)

Till Kinstler | 1 Aug 2008 10:40
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Re: About arXiv.org

Hauschke, Christian schrieb:

> Das ist nur die technische Seite. Dazu dann noch die prinzipielle Offenheit zu allen Seiten;

War das nicht immer schon "Internet"?!? Offenheit? Das Usenet gabs schon 
lange vor HTTP. Die ersten Websites kamen nicht von Microsoft, nicht von 
  der Medienindustrie und auch nicht von der Regierung oder Unigremien. 
Offene Standards (RFCs), offene Schnittstellen, Protokolle und deren 
freie Implementierungen, niedrige (zumindest technische) Zugangshürden 
waren immer schon Grundlage des Internets.
Dann kam in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre die "Industrie" und 
machte sich im Web breit, teilweise mit traditionellen Ansätzen (man 
erinnere sich an Grundsatzdiskussionen zum Thema "Push" und "Pull" von 
damals) und vielleicht manchem Missverständnis, um es zu verkaufen. 
Wohin das führte, ist bekannt. Mittlerweile hat die "Industrie" 
entdeckt, wie das Internet schon immer funktionierte und bietet das 
wiederum unter dem Label "Web 2.0" an. Das ist aber doch alles nix 
neues. Es ist auch keine Rückeroberung des Netzes.

> Ein völlig falscher Ansatz. Cool wird gebraucht, und zwar von den Freaks. Die wiederum als Pioniere und
Multiplikatoren in der Lage sind, eher langsam voranschreitende Kollegen mitzureißen. Wenn wir die
Freaks nicht gewinnen können, suchen sie sich eigene Lösungen und überzeugen ihre Kollegen dann von denen.

Wozu jemanden "mitreißen"? "2.0" als Selbstzweck?
Überzeugen sollte man mit Argumenten (es sei denn, man will unbedingt 
überflüssigen Schnickschnack zu überhöhten Preisen verkaufen, aber 
wollen wir das?). Wenn man nun endlich mal darüber diskutieren würde, 
dass "Web 2.0-Gedöns" eben nicht nur "cool" ist, sondern einen erklär- 
und begründbaren Nutzen haben kann, könnte man sich sachlich damit 
auseinandersetzen und vielleicht zu guten Lösungen kommen. Diese Ebene 
(Continue reading)

Lambert Heller | 1 Aug 2008 12:53
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Re: About arXiv.org

Lieber Till,
liebe Liste,

Am 1. August 2008 10:40 schrieb Till Kinstler <kinstler@...>:
> Mittlerweile hat die "Industrie" entdeckt, wie das Internet
> schon immer funktionierte und bietet das wiederum unter dem Label "Web 2.0"
> an. Das ist aber doch alles nix neues. Es ist auch keine Rückeroberung des
> Netzes.

Hierzu ein konkretes Beispiel.

Ward Cunningham richtet 1995 eine Website an, die von jedem Benutzer
bearbeitet werden kann, und nennt das Konzept "WikiWiki". Ist
Cunningham "die Industrie"? Nein. Setzt seine Wiki-Idee die Offenheit
des Internets, die Du ja zurecht hervorhebst und lobst, voraus? Ja,
durch und durch. Sind deshalb das Internet und spätere Entwicklungen
im Web, wie beispielsweise Wikis, das GLEICHE? Gibt es also, wie Du
schreibst, "nix neues", sondern nur ein "Label", unter dem "die
Industrie" bereits vorhandenes anpreist? Nein.

Du kannst die Entwicklungen innerhalb der Internet-Ära nicht einfach
durchstreichen und behaupten, das sei im wesentlichen ein großer Hype.
Auch Dein anti-kommerzieller Impuls gefällt mir nicht. Ja, Google ist
ein kapitalistisches Unternehmen, das - wie alle kapitalistischen
Unternehmen - nicht das Wohl der Menschheit bezweckt. Und ja, Google
hat dem Internet einen großartigen weiteren Gebrauchswert hinzugefügt.
Wenn uns daran liegt, daß die konzeptionelle Offenheit des Internets
und dessen Potentiale von unserem Berufsstand zur Kenntnis genommen
werden, sollten wir damit aufhören, antikommerzielle Vorurteile zu
bedienen. Die Entwicklung im Web wird eben auch von kommerziellen
(Continue reading)

Hauschke, Christian | 1 Aug 2008 12:18
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Re: About arXiv.org

Kinstler, Till schrieb:
> Mittlerweile hat die "Industrie"
> entdeckt, wie das Internet schon immer funktionierte und bietet das
> wiederum unter dem Label "Web 2.0" an. Das ist aber doch alles nix
> neues. Es ist auch keine Rückeroberung des Netzes.

Nein, es ist nichts Neues, und es ist definitiv auch ein Buzzword. Aber haben Sie einen besseren Begriff
für diese Entwicklung? Denn es ist definitiv neu, was da passiert. Die technischen Möglichkeiten mag
es schon lange geben. Aber dass sie dem gemeinen Nichtprogrammierer zugänglich und auch tatsächlich
genutzt werden, ist neu.

Es hängt wohl niemand an der Bezeichnung "Web 2.0". In Ermangelung eines besseren kann man ihn in der
Praxis ganz gut verwenden.

> > Ein völlig falscher Ansatz. Cool wird gebraucht, und zwar von den
> Freaks. Die wiederum als Pioniere und Multiplikatoren in der Lage sind,
> eher langsam voranschreitende Kollegen mitzureißen. Wenn wir die Freaks
> nicht gewinnen können, suchen sie sich eigene Lösungen und überzeugen
> ihre Kollegen dann von denen.
> 
> Wozu jemanden "mitreißen"? "2.0" als Selbstzweck?

Genau darum geht es nicht, das Gegenteil ist der Fall. Es geht darum, Pioniere (a.k.a. early adoptors) zum
Beispiel von der Nutzung von Dokumentenservern zu überzeugen. Und das geht momentan am einfachsten
über die Einbindung in das, was man landläufig "Web 2.0" nennt. Also "2.0" als Mittel zum Zweck.

Schöne Grüße,
Christian Hauschke

--
(Continue reading)


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